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In losen Abständen veröffentliche ich hier ergänzende Beiträge zum Buch "Gold in der Schweiz"

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Weltgeschichte des Goldes: Wenn die Schweiz den Goldpreis googelt

Weltgeschichte des Goldes: Wenn die Schweiz den Goldpreis googelt

Montag, März 9, 2026

Googelst du hie und da den Goldpreis? In letzter Zeit öfters? Aus Neugier, weil Mitmenschen darüber reden? Oder mit ernsthafterem Hintergrund? Überlegst du dir, ob jetzt der richtige Zeitpunkt ist, Gold zu kaufen?

Unberechenbarkeit und Unsicherheit kamen 2025 schlagartig zurück. Die politischen Spannungen und unerwarteten Entscheidungen stellen die Welt gerade auf den Kopf: Zölle, Grönland, Kriege statt versprochener Frieden. Wie lange geht das gut? In Sorge um die Zukunft?

Zugegeben: Mich sorgen diese neusten Ereignisse. Vielleicht, weil ich etwas älter geworden bin und die jugendliche Lockerheit verloren habe? Was treibt also zu solchen Google-Suchen nach dem Goldpreis?

  • Bedenken, das Ersparte zu verlieren? Inflation? Wertverlust?
  • Sehnsucht nach Sicherheit? Gold als „Sicherer Hafen»?
  • Kontrollwunsch? Eine Zukunft vor mir wünschend, in der meine Pläne möglich sind?

Du spürst es: Dieser Blog ist ein wenig anders als die Bisherigen. Doch ich lernte gerade: Diese Motive sind so alt wie das Metall Gold selbst.

Seit einem halben Jahr studiere ich intensiv die Weltgeschichte des Goldes, weil ich ein Seminar dazu vorbereite, das ihr bald besuchen könnt.

Eine meiner ersten Erkenntnisse: Die Schweiz spielte und spielt – als eher «goldarmes» Alpenland – erstaunlicherweise eine oft zentrale Rolle in der Weltgeschichte des Goldes. Über das Gold des Alpenlandes handelt das Buch «Gold in der Schweiz» - aber NICHT über die Rolle der Schweiz in der Weltgeschichte des Goldes. Deshalb ist mein Seminar eine wertvolle Ergänzung. In diesem Blog gebe ich vorweg schon einige daraus geschöpfte Erkenntnisse weiter.

Die Schweiz als historische Gold-Drehscheibe

Beginnen wir mit historischen Höhepunkten zur Schweiz in der Weltgeschichte des Goldes. Einige der herausragendsten archäologischen Gold-Artefakte und historischen Ereignisse haben einen Zusammenhang mit der Schweiz:

  • Der «Becher von Eschenz», ein geschätzt 4600 Jahre altes Goldgefäss und eines der ältesten archäologischen Gold-Artefakte der Welt wurde im Kanton Thurgau gefunden. Aus welchen Gründen hat ihn wohl jemand im Boden vergraben?
  • Die keltischen Arm- und Hals-Ringe aus Erstfeld (um 300 v. Chr.) zeugen vom Goldreichtum der Helvetier, den auch römische Geschichtsschreiber erwähnen. Es soll eine rituelle Deponierung gewesen sein. Was veranlasst Menschen, ihren Göttern solche Geschenke zu machen?
  • 58 vor Christus griff der römische Senator Julius Cäsar die Helvetier an, als sie auswandern wollten. Er tötete 250'000 von ihnen und versklavte 110’000 (eigene Angaben Cäsar). Mit ihrem Gold finanzierte er seine Privatarmee, erhob sich zum Alleinherrscher über die römische Republik und war Auslöser, dass diese in ein Kaiserreich überging. Was motiviert einen Menschen, so skrupellos imperial vorzugehen?
  • Die tollste römische Goldbüste – sie wird Marc Aurel zugeschrieben – wurde in Avenches gefunden. Sie ist gleichzeitig der vermutlich wertvollste archäologische Objektfund der Schweiz. Weshalb lässt man von sich eine Goldbüste herstellen?

Interessanterweise waren die Helvetier und Gallier sehr goldreich. Es handelte sich um oberflächennahe Goldkonzentrationen – entstanden über Jahrmillionen. Die Schweiz wird jedoch nie einer der grossen Goldproduzenten werden. Es würde den Rahmen sprengen, das hier zu erläutern. Mehr dazu erfährst du im Seminar – aber die Hoffnung auf einen in Welt-Massstäben wenigstens mittelgrossen Schweizer Goldbergbau ist deswegen trotzdem nicht gestorben.

Die Schweiz als globale Gold-Drehscheibe

Spätestens seit 1968 ist die Schweiz ein zentraler Umschlag- und Raffinationsplatz im globalen Goldhandel, wohl von 30% bis 50% der jährlichen Welt-Gold-Produktion. Zeitweise soll es bis 70% gewesen sein. In neuerer Zeit ist Konkurrenz entstanden.

Die Schweiz ist auch ein Land mit besonders hoher Gold-Affinität pro Kopf und großer Vertrautheit mit physischem Gold. Es gibt eine ausgeprägte «Gold-Anlage-Kultur». Je nach Studie halten zwischen 22% bis 35% der Schweizer Haushalte Gold als Anlage, physisch oder als ETF. Mindestens etwa 100 g soll der Pro-Kopf-Gold-Besitz der Schweizer sein. In allen andern Ländern ist das tiefer (Indien/China rund 20g, dafür 80% der Bevölkerung, Deutschland rund 40 g von etwa 20% der Bevölkerung).

Zwischen Inflation und Heilserwartung: Was wir wirklich im Gold suchen

Nun wissen wir etwas mehr über die Schweiz und das Gold. Und wie hätten wohl historische Persönlichkeiten unsere Google-Fragen zum Gold beantwortet? Im Leben von Krösus, Roosevelt und Ramses spielte Gold eine besondere Rolle. Lassen wir sie deshalb unsere Fragen beantworten:

„Ist mein Geld sicher?“

  • König Krösus hätte wohl geantwortet: «Leider nein». König Krösus von Lydien (6. Jh. v. Chr.) wird die Erfindung der Münze zugeschrieben. Krösus war enorm reich. Sein Goldreichtum lag vor der Haustür im anatolischen Fluss Paktolos. Seine Residenz muss das „Fort Knox der Antike“ gewesen sein. An Delphi spendete er einen goldenen Löwen, der 260 kg wog. Die darauf folgende Weissagung des Orakels von Delphi lautete, dass er ein grosses Reich zerstören würde. Also griff er sein Nachbarreich der Perser an. 14 Tage später eroberten die Perser Lydien (547 v. Chr.). Sein Gold war weg. Wenigstens fanden die Perser seine Münzen eine gute Idee und prägten sie weiter.

Wer kontrolliert das Gold?

  • Roosevelt: „Natürlich ich. Doch für meine Bürger endete mein Staatseingriff böse“. 1933, als Franklin D. Roosevelt neuer Präsident der USA wurde, waren viele Währungen der Welt an Gold gebunden. Dieses damalige Währungssystem nannte man den (klassischen) Goldstandard. Dollar konnte bei der US-Nationalbank in Gold eingetauscht werden. Roosevelt versprach in seinem Wahlkampf, die gerade herrschende wirtschaftliche Depression zu ändern. Er tat es radikal. US-Bürger mussten ihr privates Gold dem Staat verkaufen. Danach galt ein Gold-Besitz-Verbot (dauerte bis 1974!). Bankschliessfächer wurden von Finanzbeamten durchsucht. So kam der Staat zu riesigen Mengen Gold. Ein Jahr später erhöhte er den im Rahmen des Goldstandards staatlich fixierten Goldpreis von $20 auf $35 die Unze. Das hatte eine Abwertung des Dollars um über 40% zur Folge und bedeutete: Bürger, die ein Jahr vorher ihr Gold zu 20$ verkauft hatten, verloren einen beträchtlichen Teil ihres Vermögens. Tempel, Könige, Regierungen, Zentralbanken zeigen: Macht über Gold heisst in der Regel Macht über Menschen.

„Was ist Gold wirklich wert?“

  • König Ramses II von Ägypten: «Es verschafft mir den Zugang zu Gott.» In der Früh-Antike (vor Krösus und den Römern) war Gold mythisch behaftet. Für die Menschen erklärte es Gott – das Götter-Metall schlechthin. Im alten Ägypten war Gold exklusiv den Pharaonen vorbehalten (Königsmonopol - andere gelangten nur durch Ausrauben daran!). Gold war in Vorstellung der Ägypter das Fleisch der Götter und Silber die Knochen. Der ägyptische Gott Re hatte sich von den Menschen zurück gezogen und lebte im Himmel. Um ihm wieder nahe zu sein, wandelten die Pharaonen ihren irdischen Körper in ein unvergängliches, göttliches Wesen um.

Wenn die Geschichte des Goldes die mulmigen Gefühle vor dem Heute relativiert

Über Krösus mag man lächeln. Doch machen wir manchmal nicht ähnliche, fundamentale Fehler: Einem fremden Rat zu folgen, ohne zu einem eigenständigen Entscheid zu kommen? Was Roosevelt tat, war ein krasser Vertrauensbruch. Ramses spricht zwar eine innere Sehnsucht an, auf die wir noch zurück kommen. Alles in allem dürfte er aber doch eher ein Paradebeispiel dafür sein, wie Religion als Macht-Instrument missbraucht werden kann. Kennen wir das nicht auch heute noch?

Die historische Perspektive auf das Gold hat mich zuerst massiv erschreckt. So viel Krieg und Katastrophen! Im Zusammenhang gesehen, schenkt sie mir aber vor allem drei Dinge:

  • Gelassenheit: Krisen kommen und gehen. Kriege und Ungerechtigkeit sind die brutale Normalität auf unserem Planeten Erde. Das hier ist kein Paradies (mehr).
  • Bessere Fragen stellen: Statt „Soll ich heute Gold kaufen?“ eher „Welche Rolle soll Gold in meinem Leben spielen?“
  • Ein tieferes Verständnis von Macht- und Geldsystemen: Geldsysteme waren noch nie beständig. Währungen sind schon immer «verarmt». Gold ist nicht ein „Investment, das reich macht“, sondern ein Massstab für die schleichende Enteignung durch Inflation.

Solche und weitere Erkenntnisse vermittle ich Euch in meinem Seminar «Kleine Weltgeschichte des Goldes» an der Senioren-Uni Luzern vom 22./29.4 und 6.5.26. Es ist eine Geschichte von Krisen – aber auch von Hoffnung. Das Seminar ist gegliedert in drei je 1.5-stündige Vorträge mit Diskussionen:

  • Die Weltgeschichte des Goldes bis 1600: Vom Mythos Gold zur Neuen Welt
  • Die Weltgeschichte des Goldes von 1500 bis heute: Von Gold als Kriegsbeute zur Währung und zurück
  • Die grossen Goldräusche des 19. Jahrhunderts am Beispiel Kalifornien

Nach dem Seminar wirst du Zeitungsschlagzeilen über Gold anders lesen!

Gold, Glaube und Sinn: Vom Metall zum inneren Wert

Was sagt es über uns aus, dass wir ausgerechnet in unsicheren Zeiten so intensiv in Google nach dem Goldpreis suchen?

Ich glaube, unsere Sehnsüchte – z.B. nach Sicherheit und Frieden – sind etwas Göttliches. Jesus kannte die Sehnsüchte der damals von den Römern unterworfenen Juden in Israel, die sich nach dem Messias sehnten. Doch es war eine falsche Erwartung. Er wurde nicht ihr politischer König, bot aber an, ihr König der Herzen zu werden – und nicht nur der Juden, sondern von jedermann.

Haben wir eine falsche Erwartung an Gold? Gold ist tatsächlich ein Stück weit ein weltlicher „Rettungsanker“. Im Seminar fokussiere ich auf diesen Teil der Gold-Geschichte; hier darf der spirituelle Blick kurz Raum bekommen. Ich möchte dich ermutigen, Gold als Spiegel unserer tiefsten Ängste und Hoffnungen zu sehen. Ich wünsche dir, dass Gold als „Farbe“ oder Spiegel des Göttlichen dir hilft, dein Herz auf den Prüfstein zu legen.

Der Begriff Prüfstein stammt aus der Goldschmiedekunst. Früher rieben Goldschmiede Gold oder Silber auf einem speziellen dunklen, harten Stein (dem Prüfstein). Anhand der Farbe des Strichs liess sich der Reinheitsgrad bestimmen. Jesus betont, dass aus dem Herzen die Handlungen der Menschen kommen. Ob du glaubst oder nicht – die Frage, was in deinem Herz ist, bleibt dieselbe. Jesus sieht in die Herzen – auch in meines. Nachträglich bin ich sehr froh, mit ihm darüber in Dialog gekommen zu sein (man nennt das etwas unspektakulär «Beten»). Ich habe erfahren, er kennt meine tiefsten Sehnsüchte sogar besser als ich.

Ich lade dich ein, den nächsten „Goldpreis heute“-Klick als Startpunkt zu nutzen, um tiefer zu fragen: „Warum berührt mich dieses Thema so?“

Zum Buch und Seminar in Kürze:

Für die lokale, konkrete Perspektive verweise ich auf das Buch „Gold in der Schweiz“. Für die historische und globale Perspektive auf Gold bietet sich neu mein 3-teiliges Seminar „Weltgeschichte des Goldes“ an. Das wichtigste zum Seminar:

  • Senioren-Uni Luzern, jeweils 22., 29. April und 6. Mai 2026 um 16:30h
  • Eine Anmeldung bis zum 8. April ist erforderlich.
  • Das Seminar ist kostenpflichtig (CHF 95 für Vereinsmitglieder einer Schweizer Senioren-Uni). Nicht-Mitglieder können gleichzeitig mit der Anmeldung dem Verein beitreten und den Jahresbeitrag von CHF 75.- bezahlen.
  • Eine Anmeldung ist für alle Altersgruppen möglich.

Das Seminar ist für geschichtsinteressierte Menschen mit oder ohne Vorkenntnisse gedacht.

Falls du nicht am Seminar teilnehmen kannst: Hol mich zu dir an deinen Event (Volkshochschule, Bibliothek, Firma, etc.). Gerne passe ich Inhalt und Zeit auf deine Wünsche an.

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